Eigentlich ist es sehr offensichtlich: Dich, genau so wie du bist, gibt es nur ein einziges Mal. Wahrscheinlich gibt es den ein oder anderen Menschen, der die gleiche Yoga Kleidung trägt wie du, der gleiche Interessen und Einstellungen hat wie du, vielleicht gibt es sogar Menschen, die genauso groß sind wie du. Doch jemanden der, in seinem Ganzen genau so ist wie du, gibt es nicht. Ist das nicht wunderbar?

An diese wundervolle Tatsche, können wir uns nicht oft genug erinnern.

Auch in unseren Yogaklassen nicht. Hier folgen wir oft bestimmten Ausrichtungsprinzipen und gehen von einer Art Norm aus und vergessen dem so individuellem Yogi, seine eigenen Varianten erspüren und finden zu lassen. Oft aus Schutz. Manchmal allerdings fast Sicherheitsfanatisch, was unter Umständen mehr Angst, vor irgendwelchen halsbrecherischen Momenten entstehen lassen kann. Ich hoffe du verstehst mich nicht falsch. Ich finde die noch so feinsten Ausrichtungsprinzipien super, spiele und arbeite liebend gerne damit, doch achte ich dabei auf einen offenen Geist, da solch Prinzipien nicht für jeden funktionieren können.

Noch immer ganz fasziniert bin ich von dem Ansatz der beiden Yogalehrer Jo Phee und Joe Barnette, beides Schüler wie Assistenten von Paul Grilley und Sarah Powers. In ihrem Yin Yoga Teacher Training im vergangenen November hier auf Bali hatte ich die Möglichkeit einen Monat lang ganz in deren Lehre einzutauchen. Es ist ein riesiges Geschenk, zu lernen und zu sehen, wie unterschiedlich Körper sind. In meinem eigenen Unterricht sehe ich solch Individualität ständig, doch in diesem Training wurde es so deutlich, da auf die Einzigartigkeit der Anatomie ein großer Fokus gelegt wurde. Wir waren 50 Leute im Training und hatten somit die Möglichkeit auch 50 verschiedene Körper kennen und untersuchen zu lernen. Mit großer Leidenschaft teilten Jo und Joe die Idee, dass es im Yin Yoga so gut wie kein richtig und auch kein falsch gibt. Ein Ansatz, der Zeit braucht, um verdaut und verstanden zu werden, da es oft einfacher scheint einem Richtig – Falsch – Modell zu folgen.

In einem Raum voller Menschen zu sein, die neugierig probieren, den eigenen Körper nach eigenem Gespür auszurichten, war großartig. Der Unterricht ist natürlich geführt, jedoch mit viel Raum sich selbst zu erspüren und zu begegnen. Fast wie ein Tanz, ein Abwechseln von Struktur und Freiheit.

 

Meine Lieblings-Yin-Yoga-Haltung

Nimm dir ca. 10 Minuten und erlaube dir die Zeit die du brauchst um die einzelnen Varianten zu probieren und zu spüren.

In dieser Haltung willst du dich so ausrichten, dass du einen angenehmen Stretch in der rechten Seite deines Körpers spürst. In der Rippengegend, Hüftgegend oder sogar in deiner kompletten rechten Flanke. Durch den Stretch in den seitlichen Rippen, wird eine tiefere Atmung unterstützt. Eine tiefere Atmung versorgt unsere Zellen mit nötigem Sauerstoff und wirkt ausgleichend auf unser Nervensystem. Nach traditionell Chinesischer Medizin, regt diese Haltung (Banana Asana) die Gallenblase an, wodurch wichtige Verdauungsprozesse unterstützt werden. Nach TCM wird durch Stimulation des Gallenblasen-Meridian unter anderem die Emotionen von Ärger und Frustration balanciert.

Yin Yoga Retreat

Frauke Schroth

  1. Lege dich bequem auf den Boden
  2. Bringe deine Füße soweit es möglich und angenehm ist zur linken Seite
    1. vielleicht möchtest du den rechten Fuß über den linken kreuzen
    2. oder den linken über den rechten

3.  Bringe auch deinen Oberkörper zur rechten Seite

4. Probiere die Haltung gerne mit einem Kissen unter deinen Fersen oder unter dem Kreuzbein

5. Sobald du deinen Stretch gefunden hast, bleibe bis zu 3 Minuten oder weniger in der Haltung

6. Erlaube dir auf deinen Körper zu hören. Er weiß oft genau bescheid, wann genug ist. Wenn du den Impuls bekommst   früher aus der Haltung zu kommen, mache das gerne.

Um aus der Haltung rauszukommen und die Seite zu wechseln nimmst du dir 1-2 Minuten Zeit. Ja, ganz genau. 1-2 Minuten für den Übergang.

Mit so wenig Bewegung wie möglich bewegst du dich aus der Haltung. Und bleibst einige Momente und spürst, was passiert. Nach Paul Grilley wird die Ruhepose zwischen den Haltungen ‘Rebound’ genannt. Vielleicht nimmst du wahr, wie sich deine Empfindungen von Moment zu Moment ändern und sich der Körper von ganz allein wieder balanciert.

Sobald du bereit bist, nimm dir bitte genau so viel Zeit und Aufmerksamkeit um die Haltung für die linke Flanke zu üben.

Yin Yoga ist ein bisschen das andere Extrem zu den dynamischen Yogastilen. Wunderbar und empfehlenswert ist es einen Ausgleich zu finden, aus Aktivität und Empfänglichkeit, aus Yin und Yang und am besten on & off the mat 🙂

Viel Spass*

 

>> Fraukes nächstes Retreat auf Bali im März 2017.

 

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